Warum entstehen Folgeerkrankungen?

Das starke Übergewicht, das Betroffene mit sich herumtragen, ist eine große Belastung für den Körper – sei es für das Herz-Kreislauf-System, die Gelenke oder das Gewebe. Auch die übermäßige Zufuhr an Energie, die meist der Hauptfaktor für die Entstehung der Adipositas ist, belastet Organe, wie Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse und den Magen-Darm-Trakt.

Bauchfett verändert Stoffwechsel

Auch das Fettgewebe selbst ist ein Risikofaktor. Speziell das sogenannte viszerale Fett, das sich im Bauchraum um die Organe anlagert, führt zu Veränderungen im Stoffwechsel. Es sendet insgesamt etwa 200 Stoffe aus – unter anderem entzündungsfördernde Botenstoffe (Adipokine) und Hormone, die verschiedene Systeme im Körper negativ beeinflussen. So fördern sie etwa Bluthochdruck, Insulinresistenz und Entzündungsprozesse.

Gewichtsabnahme senkt Krankheitsrisiko

Die gute Nachricht: Mit einer Gewichtsabnahme kannst du nicht nur dein Krankheitsrisiko senken, sondern verbesserst auch deinen gesundheitlichen Zustand spürbar. Oftmals verändert schon der Verlust weniger Kilos, die Blutfettwerte, den Blutdruck und die Entzündungswerte deutlich zum Positiven. Dazu ist eine ganzheitliche Adipositas-Behandlung erforderlich. Die erste ganzheitliche Online-Therapie bietet unsere App-basiertes Programm zanadio. Es begleitet dich Tag für Tag auf deinem persönlichen Weg zur Gewichtsabnahme.

Wie unterscheidet sich das Krankheitsrisiko der Adipositas-Grade?

Je nachdem, wie ausgeprägt das Übergewicht ist, kann das Risiko für Folgeerkrankungen unterschiedlich hoch sein.

Folgeerkrankungen: Grad bestimmt Risiko

Um das Körpergewicht zu klassifizieren und so das Risiko einzuordnen, wird der Body-Mass-Index (BMI) verwendet. Mithilfe von Gewicht, Körpergröße und einem Taschenrechner kannst du deinen BMI selbst bestimmen. Die Formel dazu findest du in diesem Artikel zu den Adipositas-Graden.

Krankheitsrisiko laut BMI

BMI Adipositas-Grad Krankheitsrisiko
25 – 29,9 Präadipositas (Vorstufe) gering erhöht
ab 30 1 erhöht
ab 35 2 erhöht
ab 40 3, auch Adipositas per magna erhöht

 

Risiko: auch Taillenumfang entscheidend

Da bei einer Adipositas speziell Bauchfett einen Risikofaktor für Folgeerkrankungen darstellt, ist neben dem BMI der Taillenumfang entscheidend. Er gibt einen Hinweis darauf, wie viel des sogenannten viszeralen Fettgewebes vorhanden ist.

Krankheitsrisiko laut Taillenumfang

Frauen:

ab 80 cm erhöht

ab 88 cm stark erhöht

Männer:

ab 94 cm erhöht

ab 102 cm stark erhöht

Körperliche Langzeitfolgen von Adipositas

Je mehr das Gewicht steigt und je höher der Adipositas-Grad, desto deutlicher seine Folgen. Menschen mit Adipositas Grad 1 etwa sind oft rasch aus der Puste, bekommen Rücken- oder Knieschmerzen und sind schnell erschöpft. Bei einer Adipositas Grad 3 ist die Leistungsfähigkeit noch stärker eingeschränkt. Viele können nur noch kurze Strecken laufen und es fällt ihnen grundsätzlich schwer, ihren Alltag zu meistern.

Unbemerkte Langzeitfolgen bei Adipositas

Viel gefährlicher als die direkt spürbaren Symptome, sind allerdings die Langzeitfolgen. Sie entstehen vor allem durch die erheblichen Störungen im Stoffwechsel, die sich zunächst unbemerkt entwickeln und auf Dauer zu Krankheiten führen.

Überblick Folgeerkrankungen von Adipositas

Die Adipositas wirkt sich auf sämtliche Bereiche und Systeme des Körpers aus. Hier ein Überblick der Folgeerkrankungen.

Herz-Kreislauf-System

  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Gefäßverkalkung (Arteriosklerose)
  • Koronare Herzkrankheit
  • Vorhofflimmern
  • Schlaganfall, Herzinfarkt

Stoffwechsel

  • Fettstoffwechselstörung
  • Fettleber
  • Gicht (Hyperurikämie)
  • Insulinresistenz und Diabetes Typ 2
  • Venenerkrankungen

Bewegungsapparat

  • Gelenkverschleiß (Arthrose, z.B. Knie-oder Hüftarthrose)
  • Gelenkfehlstellungen

Sonstige Erkrankungen

  • Reflux (Sodbrennen, saures Aufstoßen)
  • Krebserkrankungen, wie Eierstockkrebs, Prostatakrebs, Brustkrebs [1]
  • Schlafapnoe (nächtliche Atemaussetzer)
  • Erektionsstörungen und Impotenz bei Männern[2]
  • Polyzystisches Ovar-Syndrom (führt zu Fruchtbarkeitsstörung bei Frauen)

Psychische Erkrankungen von übergewichtigen Menschen

Adipositas stellt auch für die Psyche eine große Belastung dar. Mit dem steigenden Gewicht werden auch die psychischen Folgen immer ausgeprägter.

Psychische Folge: geringes Selbstwertgefühl

Das hohe Gewicht, der innere Kampf mit sich selbst und dem Essen, die Belastung der körperlichen Einschränkungen – diese und weitere Faktoren führen zu starkem psychischem Druck. Die Auswirkungen zeigen sich oft in einem geringen Selbstwertgefühl. Das ist wissenschaftlich nachgewiesen. Eine Analyse von 64 wissenschaftlichen Studien konnte zeigen, dass bereits bei Kindern und Jugendlichen Adipositas mit einem niedrigen Selbstwertgefühl in Zusammenhang steht[3].

Stigmatisierung: negative Wirkung auf Psyche

Hinzu kommt die Stigmatisierung von außen: Adipöse Menschen begegnen häufig Diskriminierung und Vorurteilen und viele fühlen sich ausgegrenzt. Diese äußeren Einflüsse wirken zusätzlich als ständige Stressfaktoren, die das Selbstwertgefühl weiter schwächen.

Soziale Folgen von Adipositas

Die psychischen Auswirkungen und die körperlichen Einschränkungen der Adipositas führen bei vielen dazu, dass sie sich sozial zurückziehen, immer weniger am sozialen Geschehen teilnehmen oder sich gar komplett isolieren. Oftmals entsteht ein Teufelskreis aus Isolation und weiterer Gewichtszunahme.

Höheres Risiko für Depressionen

Der psychische Druck, der auf Menschen mit Adipositas lastet kann sich in psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen manifestieren. Studien konnten belegen, dass adipöse Menschen ein grundsätzlich höheres Risiko haben, an Depressionen zu erkranken und mit dem BMI das Risiko steigt[4].

Welche Krankheiten treten am häufigsten auf?

Welche Folgeerkrankungen wann beziehungsweise mit welchem Gewicht auftreten, ist individuell und wird auch durch genetische Faktoren bestimmt. Fest steht jedoch: Je höher das Gewicht und je länger es besteht, desto mehr Begleiterscheinungen und Folgeerkrankungen entstehen.

Diabetes Typ 2: hohes Risiko

Diabetes Typ 2 und seine Vorstufe, die Insulinresistenz treten bei vielen Adipösen mit der Zeit auf. Das Risiko an Diabetes zu erkranken, ist bereits bei einem BMI von 25 um das drei- bis vierfache erhöht. Bei Übergewicht einem BMI ab 30 steigt das Risiko sogar um das dreißigfache an[5].

Krankheiten begünstigen sich gegenseitig

Die häufigste koronare Folgeerkrankung bei Adipositas ist Bluthochdruck. Dieser wiederum fördert das Risiko für koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt und Schlaganfall. Viele stark übergewichtige Patienten haben zudem erhöhte Blutfettwerte, die neben dem Bluthochdruck die Gefäßwände belasten – ebenso ein zusätzlich erhöhter Blutzucker. So kommt es bei vielen auf Dauer zu einer fortschreitenden Arterio­sklerose, der Verkalkung der Gefäße. Hier ist zu erkennen, dass viele Folgeerkrankungen Wechselwirkungen haben und sich gegenseitig begünstigen.

 

Quellen:

[1] https://www.nejm.org/doi/pdf/10.1056/NEJMsr1606602
[2] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16753404/
[3] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3175190/
[4] https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/cob.12305
[5]https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/fileadmin/user_upload/05_Behandlung/01_Leitlinien/Praxisempfehlungen/2019/10_Adipositas_Hauner_DDG.pdf