Was muss die Krankenkasse zur Behandlung von Adipositas zahlen?

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) besteht Adipositas ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 30. Die Voraussetzung dafür, dass Krankenkassen bestimmte Therapiemaßnahmen bezuschussen beziehungsweise die Kosten übernehmen, ist die Diagnose „Adipositas“, die Ärzte ab einem BMI von 30 stellen.

Kostenzuschuss für Ernährungstherapie

Um einen Kostenzuschuss für eine Ernährungstherapie zu erhalten, ist eine sogenannte Notwendigkeitsbescheinigung, eine Art Rezept, erforderlich. Diese stellt dein behandelnder Arzt aus. Hier trägt er die Diagnose „Adipositas“ ein – sollte der BMI unter 30 liegen, bezuschussen Krankenkasse die Therapie auch bei einer Reihe anderer Diagnosen. Hierzu zählen unter anderem Bluthochdruck (Hypertonie), Fettstoffwechselstörung, Fettleber, Diabetes Typ 2 oder Insulinresistenz.

Notwendigkeitsbescheinigung mit Diagnose

Wie viel die gesetzlichen und privaten Krankenkassen zur Ernährungstherapie dazu zahlen, ist je nach Krankenkasse individuell. Pro Beratung schwankt der übernommene Anteil stark – sehr wenige Kassen übernehmen die Kosten ganz. Ein Beispiel dafür ist die BKK Mobil Oil. Sie zahlt die Kosten für drei Beratungen. Frage daher am besten direkt bei deiner Krankenkasse nach.

Voraussetzung für Zuschuss

Die Voraussetzung für den Zuschuss ist, dass die Therapie durch professionelle, zertifizierte Ernährungsberater und -beraterinnen durchgeführt wird. Sie haben eine Berufsausbildung oder ein Studium und verfügen zudem über ein Zertifikat, welches sie dazu berechtigt, mit den Krankenkassen abzurechnen. Die meisten Kassen bezuschussen fünf Stunden Ernährungstherapie pro Jahr. Eine Stunde kostet etwa zwischen 75 und 100 Euro.

Erstattungsbeträge ausgewählter Krankenkassen

Krankenkasse Erstattung für Erstberatung Erstattung für Folgeberatung Max. Zuzahlung
Techniker max. 45 € max. 30 € max. 165 €
DAK max. 35 € max. 23 € max. 127 €
Barmer max. 40 € max. 30 € max. 160 €

 

Kostenübernahme für Bewegungstherapie

Auch bei der Bewegungstherapie ist die Kostenübernahme der Krankenkassen individuell. In der Regel kooperieren die Kassen mit bestimmten Bewegungsprogrammen und Sporttherapeuten und Sporttherapeutinnen. Das sinnvollste Vorgehen daher: Frag bei deiner Krankenkasse nach. Diese kann dir Angebote in deiner Nähe nennen, die sie übernimmt oder bezuschusst. Wenn du dir selbst ein Angebot suchst, frage bei deiner Krankenkasse nach, ob du hierfür eine Zuzahlung erhältst. Voraussetzung auch hier: Qualifikation der Sporttherapeuten und -therapeutinnen.

Rehasport ja, Personaltrainer nein

Sogenannter Rehasport wird von der Krankenkasse in der Regel übernommen. Einzelstunden mit einem Personaltrainer dagegen nicht. Viele Bewegungsprogramme werden auch im Rahmen der Prävention bezuschusst – also auch für Menschen, die nicht adipös sind. Die Voraussetzung für den Zuschuss ist in der Regel eine Teilnahmequote von mindestens 80 Prozent. Tipp: Auch Selbsthilfegruppen organisieren oft Aktivitäten, wie gemeinsames Walking oder Schwimmen.

Wird eine Verhaltenstherapie bezahlt?

Adipositas ist keine Diagnose, bei der die Kosten für eine Verhaltenstherapie oder eine andere Art von Psychotherapie übernommen werden. Dies ist nur der Fall bei einer zusätzlichen psychischen Erkrankung, unter anderem bei einer Essstörung, Depression oder Angststörung.

Kostenübernahme bei Depression, Essstörung

Bei vielen Menschen treten im Verlauf Depressionen auf oder die Adipositas wird von einer Essstörung, wie dem Binge-Eating-Syndrom, begleitet. In diesem Fall kann dein Arzt dich an eine Psychotherapie überweisen. Mit dem offiziellen Antrag der Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Wird diese abgelehnt, kannst du Widerspruch einlegen.

Adipositas-Kur

Eine Kur wird in einer Rehaklinik oder speziellen Adipositasklinik durchgeführt – ambulant oder stationär. Die Antragstellung erfolgt hier gemeinsam mit dem behandelnden Arzt. Für gesetzlich Versicherte gilt: Die Kosten übernimmt entweder die Krankenkasse oder die gesetzliche Rentenversicherung.

Krankenkasse oder gesetzliche Rentenversicherung zahlt

Für Berufstätige übernimmt, bei Bewilligung, in der Regel die Rentenversicherung die Kosten, für Menschen im Rentenalter die Krankenkasse. Hierzu kannst du dich bei der Rentenversicherung, deiner Krankenkassen und deinem Arzt beraten lassen. Bei privat Versicherten entscheidet der individuelle Vertrag über die Kostenübernahme. Wird der Antrag abgelehnt, ist es möglich, Widerspruch einzulegen.

Neu: Online-Adipositas-Therapie

Ein ganz neues Konzept, das von den Krankenkassen übernommen wird, ist die App zanadio. Hier begleiten dich Experten und Expertinnen auf digitalem Wege bei deiner Adipositas-Therapie. Das Besondere an zanadio: Das Konzept vereint erstmalig die nach offiziellen Leitlinien empfohlenen Therapiebereiche Ernährung, Bewegung und Verhalten in einer App-basierten Anwendung.

App auf Rezept

Um das Rezept für die App von deinem behandelnden Arzt zu bekommen, müssen folgende Voraussetzungen gegeben sein: Du hast eine Adipositas mit einem Body-Mass-Index zwischen 30 und 40, du hattest noch keine Adipositas-OP, du bist nicht schwanger und hast keine schweren Begleiterkrankungen. Erfahre hier mehr über zanadio.

Magenbypass: Wann zahlt die Krankenkasse?

Bei einer Adipositas-Operation, wie einem Magenbypass, übernehmen Krankenkassen die Kosten. Hierzu müssen bestimmte Voraussetzung erfüllt sein.

Der BMI muss 40 oder mehr betragen, also eine Adipositas Grad 3 vorliegen. Bei einem BMI zwischen 35 und 40 können die Kosten übernommen werden, wenn zusätzlich eine weitere Erkrankung besteht, wie etwa Diabetes Typ 2, Schlafapnoe oder eine Herzerkrankung. Das Alter muss zwischen 18 und 65 Jahren liegen und es darf keine Schwangerschaft bestehen.

Nachweis für Magen-OP: erfolglose konventionelle Therapie

Ein operativer Eingriff wird in der Regel erst dann bewilligt, wenn konventionelle Behandlungsmöglichkeiten keinen Erfolg ergaben. Dazu muss nachgewiesen werden, dass eine Ernährungsberatung und Bewegungsmaßnahmen keine ausreichende Gewichtsreduktion gebracht hat. Dies wird durch die Teilnahme an einer Ernährungstherapie über sechs Monate und einem Bewegungsprogramm bestätigt.

Zusätzlich muss der Antrag ein entsprechendes psychologisches Gutachten enthalten. Bei Ablehnung des Antrages durch die Krankenkasse, kannst du auch hier einen schriftlichen Widerspruch einlegen.