Übergewicht und Depression

Übergewicht oder Adipositas können die Psyche belasten oder selbst seelische Ursachen haben. In welchem Zusammenhang Übergewicht und Depression stehen, welche Risikofaktoren es gibt und wie sich die beiden Krankheitsbilder behandeln lassen, erklären wir in diesem Artikel 

Inhaltsverzeichnis

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Übergewicht und Depression?

Übergewicht und Depression treten häufig zusammen auf. Übergewichtige Menschen haben demnach ein höheres Depressionsrisiko als nicht-adipöse Personen. Umgekehrt gilt eine Depression als Risikofaktor für Adipositas. [1]

In Deutschland sind über die Hälfte der Erwachsenen übergewichtig. Von Übergewicht sprechen Mediziner:innen, wenn die Berechnung des Body-Mass-Index (BMI) einen Wert von 25 oder höher ergibt. Für Adipositas gilt ein BMI von über 30. Etwa 40 Prozent der übergewichtigen oder adipösen Menschen entwickeln zusätzlich eine Depression [8]. 

Erkrankungen wie Adipositas werden oft als belastend und kräftezehrend empfunden. Ängste, Hoffnungslosigkeit und ein geringerer Selbstwert sind die Folge. Andersherum kommt es bei etwa 25 Prozent der Menschen mit Depressionen auch zu Übergewicht. Depressive Symptome wie Antriebslosigkeit, sozialer Rückzug, Schlafstörungen und Interessenverlust begünstigen eine Gewichtszunahme. Adipositas und depressive Störungen weisen folglich Ähnlichkeiten, wie z.B. Bewegungsmangel, reduzierter Antrieb und kalorienreiches Essverhalten auf. [1,2,3,4,8]

Übergewicht und Depression – die Risikofaktoren

Psychologisch gesehen kann Übergewicht das Selbstbild und das Selbstwertgefühl beeinträchtigen, was wiederum Gefühle der Wertlosigkeit und Depressionen begünstigt. Schlagen Diäten nicht an oder führt das Übergewicht zu Folgeerkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck, entsteht eine zusätzliche Belastung. Bei einem stark erhöhten Körpergewicht werden Bewegung und Sport zudem oft als Belastung empfunden, was ein Vermeidungsverhalten (Rückzug) verstärkt. Der positive Einfluss, den körperliche Aktivität auf die Psyche hat, fällt weg. Betroffene geraten nicht selten in einen Teufelskreis. Das Gewicht steigt weiter an und die Gemütsverfassung verschlechtert sich. [1, 5]

Neben dem Aktivitätslevel beeinflusst auch die Art der Ernährung Körper und Psyche. Eine unausgewogene Ernährung kann Mangelzustände und Heißhungerattacken auslösen, was im Nachhinein zu Schuldgefühlen führt.  Ebenso sinkt das Wohlbefinden, wenn dem Körper aufgrund von einseitiger Ernährung wichtige Nährstoffe, Vitamine oder Spurenelemente vorenthalten werden. Fett- und zuckerhaltige Speisen liefern schnell Energie und treiben die Kalorienaufnahme in die Höhe. Eine ausreichende Nährstoffzufuhr erfolgt jedoch nicht und ein Hungergefühl stellt sich bald wieder ein. Letztendlich nimmst du bei dieser Art der Ernährung mehr Kalorien zu dir als dein Körper benötigt, wodurch es zu Übergewicht kommen kann. [1]

Die ständige und schnelle Verfügbarkeit von Nahrung sowie Stress gelten als Hauptgründe für Übergewicht. Viele Menschen essen mehr, wenn sie psychischen Belastungen ausgesetzt sind. Dies wird auch als emotionales Essen bezeichnet. Die Nahrungsaufnahme fungiert als Trost, Belohnung oder dient der Beruhigung. Häufig greifen Betroffene zu süßen und fettreichen Snacks, um sich kurzzeitig Glücksgefühle zu verschaffen.

Doch nicht nur Stress durch externe Faktoren, auch die vermehrte Ausschüttung von Stresshormonen durch Fehlfunktionen des Hormonhaushalts kann das Essverhalten und die Psyche aus der Balance bringen. Bestimmte Erkrankungen bewirken einen Cortisolüberschuss im Körper. Das Stresshormon, das bei Gesunden nur kurzzeitig eine Wirkung entfaltet, ist dann dauerhaft aktiv. Es kommt zum Abbau von Muskelmasse, zu einer Appetitsteigerung sowie zu Fetteinlagerungen in der Körpermitte. [1,5]

Risikofaktoren im Überblick, die sowohl Übergewicht als auch depressive Verstimmungen fördern können:

  • Aktivitätseinschränkung
  • Fehlernährung
  • Stress
  • hormonelle Einflüsse
  • Ungleichgewicht von Botenstoffen

Bekannte Ursachen für die Entwicklung von Adipositas oder Depressionen

Die Ursachen für die Entstehung von Adipositas oder Depressionen sind vielfältig. Für Übergewicht kann eine genetische Grundlage bestehen. Im Zusammenhang mit weiteren Faktoren wie der Nahrungsüberversorgung, Schlafmangel, zu wenig Bewegung oder der Appetitsteigerung durch die Einnahme bestimmter Medikamente (zum Beispiel Antidepressiva) kommt es zur Gewichtszunahme. Auch für die Entstehung von Depressionen gehen Mediziner:innen von einem multifaktoriellen Geschehen aus. Eine genetische Prädisposition, bestimmte Persönlichkeitszüge, belastende Lebensereignisse und medikamentöse Behandlungen gelten unter anderem als Risikofaktoren für eine Depression. Egal, welche Krankheit zuerst auftritt – bei der Therapie von Übergewicht und Depression sollte immer ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt werden. [1,5]

Die Therapie bei Adipositas und Depressionen

Eine Therapie bei Adipositas und Depressionen beruht auf mehreren Ansätzen. Mediziner:innen betrachten den Zustand ganzheitlich. Neben der Reduzierung des Übergewichts und der Verbesserung der körperlichen Gesundheit spielen außerdem die Erfassung der Lebensumstände und deren Auswirkungen auf die Psyche eine Rolle. Denn eine Verbesserung der mentalen Verfassung steigert den Antrieb, eine Ernährungsumstellung und die Bewegungstherapien langfristig durchzuhalten. [1]

Therapieansätze bei Übergewicht und Depression:

  • Ernährungsberatung und -umstellung
  • Ambulante Psychotherapie oder psychotherapeutische Betreuung
  • Bewegungstherapien und graduelle Steigerung der körperlichen Aktivität

Medikamentöse Behandlung

Medikamente, die bei einer Depression helfen, nennt man Antidepressiva. Sie können stimmungsaufhellend, aktivierend, beruhigend und/oder angstlösend wirken. Der oder die behandelnde Ärzt:in klärt Betroffene über die Möglichkeiten einer Medikation auf und empfiehlt, ob und welches Medikament das passende ist. Die Entscheidung, ob eine Medikation eingenommen wird oder nicht, obliegt dem oder der Patient:in selbst.

Antidepressiva müssen ärztlich verordnet werden. Sie machen körperlich nicht abhängig. Da es besonders zu Beginn der Einnahme und beim Absetzen zu Nebenwirkungen kommen kann, sollte die Behandlung immer unter regelmäßiger ärztlicher Betreuung stattfinden. Bei Adipositas ist zu beachten, dass Antidepressiva zu Veränderungen im Appetit und im Stoffwechsel führen können. Eine regelmäßige Kontrolle der Blutwerte ist deshalb empfehlenswert.

Kuraufenthalte und Kurse bei Adipositas und Depressionen

Für die Behandlung von Adipositas und Depressionen existieren Kuren oder Rehabilitationsangebote, die in speziellen Kliniken durchgeführt werden. Der Aufenthalt dauert mehrere Wochen. Die Therapie richtet sich nach den individuellen Problemen und Zielen. Du erlernst den kontrollierten Umgang mit Nahrungsmitteln und entwickelst ein Sportprogramm für die Gewichtsreduktion. Du erlangst Kenntnisse darüber, wie die Psyche das Essverhalten beeinflussen kann, sodass du in deinem Alltag bewusster darauf achten kannst. Auch auf die psychischen Folgen von Adipositas kann im Rahmen entsprechender Therapien eingegangen werden. Die Kuren dienen außerdem dazu, das Risiko für weitere Folgeerkrankungen von Übergewicht wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken. [1,7]

Eine Adipositas-Kur lässt sich über die behandelnden Ärzt:innen beantragen. Du kannst zwischen ambulanten und stationären Angeboten wählen. Die Notwendigkeit der Kur muss in den Antragsunterlagen dargelegt und ärztlich begründet sein. Mit diesen Voraussetzungen gelangt dein Antrag dann zum Beispiel zur Krankenkasse, die über die Bewilligung entscheidet. In der Regel kommt eine Kur dann infrage, wenn du die üblichen Therapiemöglichkeiten bereits ausgeschöpft hast und sich keine Erfolge eingestellt haben. [7]

Wer hilft bei Übergewicht und Depression?

Leidest du unter Übergewicht und einer Depression, wendest du dich in der Regel zunächst an deine Hausärztin oder deinen Hausarzt. Mit der ärztlichen Untersuchung wird dein allgemeiner Gesundheitszustand überprüft, um mögliche körperliche Gründe für die Gewichtszunahme aufzudecken.

Die Ärzt:innen können dich dann an spezielle Adipositas-Zentren überweisen oder du erhältst Adressen von Organisationen, an die du dich wenden kannst. Zum Beispiel existieren verschiedene Vereine in Deutschland (Adipositas-Hilfe oder Adipositas-Verband), die Beratungen und Kurse anbieten oder Kontakte zu Selbsthilfegruppen oder Therapiegruppen vermitteln.

Werden Anzeichen einer Depression beobachtet, sollte eine fachliche Absicherung der Diagnose erfolgen. Sowohl das Übergewicht als auch die Depression sollten behandelt werden. Zusätzlich besteht der Anspruch auf eine psychotherapeutische Behandlung, für die keine Überweisung durch Ärzt:innen notwendig ist. Du kannst dich also direkt an ärztliche und psychologische Psychotherapeut:innen wenden. Welche Form der Therapie (ambulant, teilstationär, stationär) im Einzelfall die richtige ist, entscheiden Patient:in und Ärzt:in oder Psychotherapeut:in gemeinsam. 

Quellen

[1] https://www.st-augustinus-kliniken.de/adipositas/depression-uebergewicht

[2] Luppino FS, de Wit LM, Bouvy PF, Stijnen T, Cuijpers P, Penninx BW, Zitman FG. Overweight, obesity, and depression: a systematic review and meta-analysis of longitudinal studies. Arch Gen Psychiatry 2010;67(3):220-9. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20194822 

[3] Gluck ME, Geliebter A, Satov T. Night eating syndrome is associated with depression, low self-esteem, reduced daytime hunger, and less weight loss in obese outpatients. Obes Res 2001;9(4):264-7. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11331430, DOI: 10.1038/oby.2001.31

[4] https://www.deutschesgesundheitsportal.de/2019/03/13/uebergewicht-steigert-depressionsrisiko/

[5] Faulconbridge LF, Wadden TA, Berkowitz RI, Sarwer DB, Womble LG, Hesson LA, Stunkard AJ, Fabricatore AN. Changes in symptoms of depression with weight loss: results of a randomized trial. Obesity (Silver Spring) 2009;17(5):1009-16. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19197266

[6] https://www.ptaforum.pharmazeutische-zeitung.de/bauchfett-foerdert-entzuendungen-116077/

[7] https://www.netdoktor.de/krankheiten/adipositas/kur/

[8] Thormann, J., Chittka, T., Minkwitz, J., Kluge, M., Himmerich, H. (2013): Adipositas und Depression: eine Übersicht über die vielschichtige Zusammenhänge zweier Volkserkrankungen.

 

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