Essen ohne Kohlenhydrate: Wie sinnvoll?

Eine kohlenhydratfreie Ernährung, auch "No Carb" genannt, gehört seit einigen Jahren zu den bekanntesten Ernährungstrends. Hier erfährst du, wie eine Ernährung ohne Kohlenhydrate aussieht und welche Effekte sie auf deine Gesundheit hat.

Inhaltsverzeichnis

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Wird eine kohlenhydratefreie Ernährung empfohlen?

Eine kohlenhydratfreie Ernährung, oft als ketogene Diät bezeichnet, beinhaltet die Reduktion der Kohlenhydratzufuhr auf weniger als 50 g pro Tag. Der Fokus liegt auf dem Verzehr von Proteinen und Fetten. Ziel ist es, den Körper in einen Zustand der Ketose zu versetzen, bei dem er Fett anstelle von Kohlenhydraten zur Energiegewinnung nutzt. 

Wichtig

Eine kohlenhydratfreie Ernährung kann kurzfristig zu einer Gewichtsabnahme führen und bestimmte gesundheitliche Vorteile bieten. Langfristig birgt sie jedoch erhebliche Risiken und Nachteile. Mit einer ausgewogenen Ernährung, die alle Nährstoffgruppen in empfohlenen Mengen beinhaltet, nimmst du dagegen gesund und nachhaltig ab.

Unterschied: kohlenhydratarm und kohlenhydratfrei

Eine kohlenhydratarme Ernährung (Low Carb) reduziert die Aufnahme von Kohlenhydraten deutlich, schließt sie aber nicht vollständig aus. Typischerweise liegt die Kohlenhydratzufuhr bei einer Low-Carb-Diät zwischen 50 und 150 g und in einer ausgewogenen Ernährung zwischen 200 und 300 g pro Tag. Im Gegensatz dazu strebt eine kohlenhydratfreie Ernährung (No Carb) an, weniger als 50 g Kohlenhydrate pro Tag zu konsumieren, was zu einem Zustand der Ketose führt.

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Vorteile einer kohlenhydratfreien Ernährung

Die Effektivität einer kohlenhydratarmen Ernährung zum Abnehmen wurde in Studien untersucht. Eine geringere Kohlenhydratzufuhr kann den Blutzucker stabilisieren und Heißhungerattacken vorbeugen. Dies kann die Konzentration verbessern und die Fettverbrennung fördern. Zudem kann ein höherer Eiweißanteil die Sättigung verbessern und den Muskelabbau während einer Diät verhindern, was dem Jojo-Effekt entgegenwirken kann. Einige Forschungen weisen auch auf positive Effekte bei der Behandlung von Diabetes Typ 2 und erhöhten Blutfettwerten hin [1,2].

Studien zeigen, dass eine solche Ernährung neben der Gewichtsreduktion auch folgende Effekte haben kann [1]:

  • Rückgang von Entzündungen
  • Verbesserung der Lebergesundheit
  • Senkung des Bluthochdrucks
  • Verbesserung der Blutfettwerte

Nachteile und Risiken einer kohlenhydratfreien Ernährung

Eingewöhnungsphase

Viele Menschen haben zu Beginn der Umstellung auf No-Carb Beschwerden. Es kann einige Tage dauern, bis der Körper Ketonkörper produziert. In dieser Zeit können Müdigkeit, Schlappheit und Kopfschmerzen auftreten. Heißhunger ist ebenfalls möglich. Nach einigen Tagen ohne Kohlenhydrate verschwinden diese Nebenwirkungen jedoch meist.

Sportliche Leistungsfähigkeit

Die Auswirkungen einer kohlenhydratfreien Ernährung auf die sportliche Leistungsfähigkeit sind bisher nicht ausreichend erforscht. Einige Studien zeigen keinen Unterschied, andere berichten von einer verminderten Leistungsfähigkeit. Dies liegt daran, dass Muskeln anfangs weniger Kohlenhydrate als Energielieferant zur Verfügung haben. Mit der Zeit kann sich der Körper jedoch anpassen und die Fettverbrennung verbessern. [4]

Nährstoffmangel

Eine stark kohlenhydratreduzierte oder kohlenhydratfreie Ernährung kann zu einem Mangel an wichtigen Nährstoffen führen. Vollkornprodukte, Obst und bestimmte Gemüsesorten sind wichtige Quellen für Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe. Ein Mangel an diesen Nährstoffen kann langfristig gesundheitliche Probleme verursachen, wie Verdauungsprobleme, Vitaminmangel oder ein geschwächtes Immunsystem. [5]

Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Eine Ernährung mit einem hohen Anteil an tierischen Fetten und Proteinen kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Einige Studien deuten darauf hin, dass eine hohe Aufnahme von gesättigten Fetten und Cholesterin mit einem erhöhten Risiko für Arteriosklerose und Herzkrankheiten verbunden ist. [6]

Einschränkung der sozialen und kulinarischen Vielfalt

Eine No-Carb-Diät kann die Auswahl an Lebensmitteln stark einschränken, was zu einer monotonen Ernährung führen kann. Dies kann auch soziale Aspekte des Essens beeinträchtigen, da es schwieriger wird, an gemeinsamen Mahlzeiten teilzunehmen oder auswärts zu essen, ohne die Diät zu unterbrechen. [7]

Potenzielle Auswirkungen auf die Nieren

Eine hohe Eiweißzufuhr, wie sie in einer No-Carb-Diät üblich ist, kann die Nieren bei Personen mit bestehenden Nierenerkrankungen belasten. Es besteht das Risiko einer Verschlechterung der Nierenfunktion bei einer langfristig hohen Eiweißzufuhr. [8]

Negative Auswirkungen auf die Darmgesundheit

Der Mangel an Ballaststoffen in einer kohlenhydratfreien Ernährung kann zu Verdauungsproblemen wie Verstopfung führen. Ballaststoffe sind häufig in kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln enthalten und sind wichtig für eine gesunde Darmfunktion und die Aufrechterhaltung einer ausgewogenen Darmgesundheit. [8]

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Geeignete Lebensmittel für eine kohlenhydratfreie Ernährung

Fleisch und Fisch
Alle Fleisch- und Fischsorten enthalten nahezu keine Kohlenhydrate und sind daher geeignete Lebensmittel für eine No-Carb-Diät. Sie liefern viel Eiweiß, unterscheiden sich jedoch im Fettgehalt. Geflügel enthält oft weniger Fett als Rind oder Schwein.

Eier und Milchprodukte
Eier enthalten weniger als ein Gramm Kohlenhydrate. Auch Käse, Sahne und Butter eignen sich gut. Fruchtjoghurts und andere süße Desserts sind nicht geeignet.

Gemüse und Obst
Gemüse enthält viele Vitamine und Nährstoffe bei wenigen Kalorien und Kohlenhydraten. Kürbis, Kartoffeln und Hülsenfrüchte sind jedoch stärkehaltig und nicht geeignet. Beim Obst kommen nur Beeren in kleinen Mengen infrage.

Nüsse, Kerne und Samen
Die meisten Nüsse und Samen enthalten wenig Kohlenhydrate und sind ein guter Snack. Cashewnüsse und Pinienkerne sollten aufgrund ihres Kohlenhydratgehalts in Maßen gegessen werden.

Lebensmittel, die vermieden werden sollten

Um den Kohlenhydratgehalt gering zu halten, sollten Zucker und stärkehaltige Lebensmittel vermieden werden. Dazu gehören:

  • Getreide und Brot
  • Nudeln und Reis
  • Kartoffeln und Kürbis
  • Hülsenfrüchte
  • Obst wie Bananen und Äpfel

Eine kohlenhydratfreie Ernährung im Alltag umsetzen

Ersetze kohlenhydratreiche Beilagen durch Gemüsevarianten, wie Blumenkohlreis oder Zucchininudeln. Für Snacks eignen sich Nüsse, Gemüsesticks oder Quark mit Beeren. Süße Getränke können durch Früchtetee oder Wasser mit Zitrone ersetzt werden. Sorge bei jeder Mahlzeit für ausreichend Proteine aus Eiern, Fisch, Fleisch, Milchprodukten oder veganen Alternativen.

Vegan und ohne Kohlenhydrate – ist das möglich?

Eine vegane, kohlenhydratfreie Ernährung ist herausfordernd, da viele pflanzliche Proteinquellen auch Kohlenhydrate enthalten. Allerdings können Veganer:innen versuchen, ihre Kohlenhydratzufuhr zu minimieren, indem sie sich auf kohlenhydratarme pflanzliche Lebensmittel konzentrieren. Hier sind einige Tipps und Lebensmittel, die für eine kohlenhydratarme vegane Ernährung geeignet sind:

Pflanzliche Proteinquellen

  • Tofu und Tempeh: Diese Sojaprodukte enthalten wenig Kohlenhydrate und sind gute Proteinquellen.
  • Seitan: Auch als Weizengluten bekannt, ist sehr proteinreich und enthält wenig Kohlenhydrate.

Gemüse

  • Blattgemüse: Spinat, Grünkohl, Rucola, und andere grüne Blattgemüse sind sehr kohlenhydratarm.
  • Kreuzblütler: Brokkoli, Blumenkohl, Kohl, und Rosenkohl enthalten wenig Kohlenhydrate.
  • Paprika, Zucchini, Gurken, und Tomaten: Diese Gemüsesorten sind ebenfalls relativ kohlenhydratarm.

Nüsse und Samen

  • Mandeln, Walnüsse, Macadamianüsse: Diese Nüsse sind gute Quellen für gesunde Fette und Proteine, enthalten aber moderat Kohlenhydrate.
  • Chiasamen und Leinsamen: Sie sind reich an Ballaststoffen und Omega-3-Fettsäuren.

Öle und Fette

  • Kokosöl, Olivenöl, Avocadoöl: Diese Öle sind komplett kohlenhydratfrei und können als Energiequellen dienen.
  • Avocados: Sie sind reich an gesunden Fetten und enthalten nur wenig Kohlenhydrate.

Pflanzliche Milchalternativen

  • Ungesüßte Mandelmilch oder Kokosmilch: Diese können eine gute Basis für Smoothies und andere Gerichte sein.

Vegane Proteinpulver

  • Erbsenprotein, Hanfprotein, Kürbiskernprotein: Diese Proteinpulver können verwendet werden, um die Proteinaufnahme zu erhöhen.

Planung und Umsetzung

  • Mahlzeitenplanung: Eine sorgfältige Planung der Mahlzeiten ist entscheidend, um sicherzustellen, dass alle Nährstoffe abgedeckt werden und die Kohlenhydratzufuhr minimal bleibt.
  • Nährstoffergänzungen: Da eine strikte kohlenhydratarme vegane Ernährung einige Nährstoffmängel verursachen kann, sollten Veganer eventuell Vitamin B12, Eisen, Kalzium und Omega-3-Fettsäuren supplementieren.

Fazit

Eine kohlenhydratfreie Ernährung kann schnelle Abnehmerfolge bringen, da sie die Fettverbrennung steigert. Allerdings sind die Nebenwirkungen erheblich: Müdigkeit, Kopfschmerzen und Heißhunger in der Anfangsphase sowie langfristige Risiken wie Nährstoffmangel, Verdauungsprobleme und ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko. Zudem besteht die Gefahr des Jojo-Effekts.

Stattdessen ist eine ausgewogene Ernährung nachhaltiger und gesünder. Eine ausgewogene Ernährung, die alle Nährstoffgruppen in angemessenen Mengen umfasst, unterstützt langfristige Gewichtskontrolle und allgemeines Wohlbefinden. Vollkornprodukte, Obst, Gemüse, mageres Eiweiß und gesunde Fette bieten eine solide Grundlage für eine ausgewogene Ernährung.

No-CarbAusgewogene Ernährung
Abnehmerfolg
Schnelle Gewichtsabnahme (3–4 kg pro Monat) durch Ketose [9,10]Langsame, aber nachhaltige Gewichtsabnahme
Risiken und Nebenwirkungen
Nebenwirkungen in der Anfangsphase: Müdigkeit, Kopfschmerzen, Heißhunger
Langfristige Nebenwirkungen:Nährstoffmangel, Verdauungsprobleme, erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko, Jojo-Effekt
Keine Nebenwirkungen
Langfristige Gesundheit
Potenzielle Gesundheitsrisiken bei langfristiger AnwendungUnterstützung der allgemeinen Gesundheit und des Wohlbefindens

Quellen

[1] Kelly, T., Unwin, D., & Finucane, F. (2020). Low-Carbohydrate Diets in the Management of Obesity and Type 2 Diabetes: A Review from Clinicians Using the Approach in Practice. International Journal of Environmental Research and Public Health, 17(7), 2557. https://doi.org/10.3390/ijerph17072557

[2] Ma, Y., Li, Y., Chiriboga, D. E., Olendzki, B. C., Hebert, J. R., Li, W., Leung, K., Hafner, A. R., & Ockene, I. S. (2006). Association between carbohydrate intake and serum lipids. Journal of the American College of Nutrition, 25(2), 155–163. https://doi.org/10.1080/07315724.2006.10719527

[3] de Moraes, G.B.D., de Souza, V.S.M., da Silva Mazzeti, C.M. et al. (2024). The effects of the low-carb diet in the body composition and weight loss. Nutrire, 49, 11. https://doi.org/10.1186/s41110-023-00251-6

[4] Chung, N. (2023). Impact of the ketogenic diet on body fat, muscle mass, and exercise performance: a review. Phys Act Nutr, 27(4), 1-7. https://doi.org/10.20463/pan.2023.0031

[5] Slavin, J. L. (2013). Fiber and Prebiotics: Mechanisms and Health Benefits. Nutrients, 5(4), 1417-1435. https://doi.org/10.3390/nu5041417

[6] Micha, R., Peñalvo, J. L., Cudhea, F., Imamura, F., Rehm, C. D., & Mozaffarian, D. (2017). Association Between Dietary Factors and Mortality From Heart Disease, Stroke, and Type 2 Diabetes in the United States. JAMA, 317(9), 912-924. https://doi.org/10.1001/jama.2017.0947

[7] Banerjee, T., & Crews, D. C. (2020). High protein intake and the risk of kidney damage. Nephrology, Dialysis, Transplantation. https://doi.org/10.1093/ndt/gfaa224

[8] Anderson, J. W., Baird, P., Davis Jr, R. H., Ferreri, S., Knudtson, M., Koraym, A., … & Williams, C. L. (2009). Health benefits of dietary fiber. Nutrition Reviews, 67(4), 188-205. https://doi.org/10.1111/j.1753-4887.2009.00189.x

[9] Dashti, H.M., Mathew, T.C., Khadada, M., Al-Mousawi, M., Talib, H., Asfar, S.K., Behbahani, A. (2004). Beneficial effects of ketogenic diet in obese diabetic subjects. Molecular and Cellular Biochemistry, 261(1-2), 21-27. https://doi.org/10.1007/s11010-007-9448-z

[10] Bueno, N.B., de Melo, I.S.V., de Oliveira, S.L., & da Rocha Ataide, T. (2013). Very-low-carbohydrate ketogenic diet v. low-fat diet for long-term weight loss: a meta-analysis of randomised controlled trials. British Journal of Nutrition, 110(7), 1178-1187. https://doi.org/10.1017/S0007114513000548

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