Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA)

Die Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA) wird auch als Körperfettmessung bezeichnet, kann jedoch viel mehr als nur das Körperfett messen. Wann und für wen eine BIA sinnvoll ist und wie sie genau durchgeführt wird, erfährst du in diesem Artikel.

Inhalte

Was ist die Bioelektrische Impedanzanalyse?

Die Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA) oder auch Körperfettmessung genannt, ist ein wissenschaftlich anerkanntes, kostengünstiges und recht häufig angewendetes Messverfahren, das ausführliche Informationen über die Zusammensetzung des Körpers und über den Ernährungszustand des Menschen liefert. [1]

Bei der BIA werden an der rechten Hand und dem rechten Fuß Elektroden angebracht. Über sie wird ein schwacher, hochfrequenter Wechselstrom durch den Körper geleitet. Es wird der Widerstand (Impedanz) gemessen, den der Körper dem Wechselstrom entgegensetzt. Die Untersuchung dauert weniger als eine Minute und tut nicht weh.

Unser Körper besteht aus verschiedenen Gewebetypen, die jeweils eine unterschiedliche elektrische Leitfähigkeit vorweisen. Diese Leitfähigkeiten können anhand der BIA unterschieden werden. [2]

Wann ist eine Bioelektrische Impedanzanalyse sinnvoll?

Die BIA wird zumeist in der Ernährungs- und Sportmedizin eingesetzt. Besonders bei der Erstuntersuchung sowie zur Kontrolle des Therapieverlaufs bei Menschen mit Adipositas kann dieses Messverfahren sinnvoll sein. Es wird zum Beispiel mit ihr die Qualität des Gewichtsverlustes bewertet und ob durch eine langfristige Ernährungsumstellung Muskelmasse, Fettgewebe oder beides abgebaut wurde. [3]

Aber auch bei der Therapie von Folge- und Begleiterkrankungen der Adipositas wie beispielsweise Gonarthrose (Knorpelverschleiss im Kniegelenk) kann eine Aufschlüsselung der Fettmasse wichtig sein. [4]

Darüber hinaus kann die Bioelektrische Impedanzanalyse als Diagnoseinstrument für diverse Erkrankungen wie beispielsweise Schilddrüsenüberfunktion und -unterfunktion, Herz- und Leberfunktionsstörungen oder hormonellen Störungen dienen. Weitere Anwendungen sind die Kontrolle von Ernährung, Training und Muske­laufbau bei Sport­ler:innen sowie die Überwachung des Flüs­sig­keits­status bei Verbrennungs- und Dialysepatient:innen [5].

Was wird mit der BIA gemessen?

Während die Waage und der Body Mass Index (BMI) deinen Körper als ein Ganzes, also als ein Körperkompartiment wahrnehmen, wird der Körper durch die BIA in mehrere Kompartimente (Teile) aufgeteilt. Zunächst wird der Körper in zwei Kompartimente eingeteilt: Körperfett und fettfreie Körpermasse (Magermasse).

Die Magermasse setzt sich wiederum aus den Körperzellen der Muskeln und Organe und der extrazellulären Masse (Knochen, Blutplasma etc.) zusammen:

Mit der BIA können also durch die unterschiedliche Leitfähigkeit der Gewebe folgende Körperbestandteile unterschieden werden: [5]

  • Fett­masse (FM)
  • Fett­freie Masse (FFM) bzw. Magermasse (LBM): Muskelmasse, Or­gane, Skelett und Zentrales Nervensystem
  • Kör­perzell­masse (BCM): Muskel- und Organmasse
  • Ex­trazellulä­re Masse (ECM): Knochen, Blutplasma
  • Körperwasser (TBW): Intrazelluläres und extrazelluläres Wasser (Lymphe, Plasma, interstitielle Flüssigkeit)

Darüber hinaus kann das Verhältnis von Knochen und Blutplasma zu Muskel- und Organmasse auf die Qualität der Magermasse hinweisen. Gründe für einen hohen ECM-Anteil können geringe Muskel- und Organmasse oder Wassereinlagerungen sein. Ausgebildete Fachkräfte können daraus Rückschlüsse auf Ernährung oder Krankheiten ziehen.

Wie läuft eine Bioelektrische Impedanzanalyse ab?

Die Bedingungen für die Durchführung einer BIA sind standardisiert, damit möglichst exakte und vergleichbare Ergebnisse erzielt werden. Folgende Bedingungen sollten erfüllt sein:

  • mind. 24 Stunden vor der Untersuchung kein Alkohol
  • mind. 12 Stunden vor der Untersuchung keine körperlichen Aktivitäten
  • mind. 2 Stunden vor der Untersuchung keine Mahlzeiten mehr zu sich nehmen
  • direkt vor der Untersuchung Blase entleeren
  • vor der BIA werden aktuelles Gewicht und Taillen- und Hüftumfang gemessen
  • Patient:in liegt entspannt auf einer nicht leitenden Oberfläche
  • Beine sind leicht gespreizt und die Arme berühren den Körper nicht
  • genaue Positionierung der Elektroden

Darüber hinaus sollte die untersuchende Fachkraft bei der Auswertung Krankheiten, insbesondere des Herzens, der Nieren und der Schilddrüse sowie den weiblichen Zyklus und eine eventuell bestehende Schwangerschaft berücksichtigen. [5]

Die Messung dauert nur wenige Sekunden und ist völlig schmerz- und nebenwirkungsfrei. Die Ergebnisse sind ebenfalls sofort abrufbar und können von den behandelnden Fachpersonen ausgewertet und mit dir besprochen werden.

Gibt es Alternativen zur Körperfettmessung oder BIA?

Es gibt aktuell keine vergleichbaren Alternativen zur BIA. Der Body Mass Index (BMI) ist ein Maß für das Körperfett, das auf Größe und Gewicht basiert, jedoch recht ungenau ist. 

Die Calipometrie (=Hautfaltenmessung) ist eine Methode zur Bestimmung des Körperfettanteils mittels Messung der Schichtdicke des Unterhautfettgewebes. Eine Fehlerquelle, kann jedoch eine nicht exakte Durchführung, durch unwissendes oder ungeschultes Personal sein. Zudem kann nur der Körperfettanteil, jedoch nicht Körperwasser, Magermasse usw. bestimmt werden. [6]

Und auch die Ergebnisse von Körperfettanalysewaagen sind der BIA klar unterlegen. Keine andere Untersuchung ist so aussagekräftig bezüglich der Körperzusammensetzung und des Fettgewebes wie die Bioelektrische Impedanzanalyse.

Wer führt eine BIA durch?

Die Bioelektrische Impedanzanalyse kann von Ärzt:innen, Ernährungsberater:innen oder Fitnesstrainer:innen in deren Praxen oder Behandlungsräumen durchgeführt werden [1]. Frag bei deinen behandelnden Ärzt:innen, ob sie diese durchführen oder überweisen können. Alternativ wirst du unter dem Stichwort „Bioimpedanzanalyse“ + dein Wohnort im Internet zahlreiche Adressen finden.

Was kostet die BIA und zahlt die Krankenkasse?

Die Kosten für eine BIA liegen zwischen 20 und 30 Euro und sind somit recht übersichtlich. Die Messung wird in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Manche Krankenkasse erstatten die Rechnung jedoch nachträglich [5]. Erkundige dich deswegen am besten direkt bei deiner Krankenkasse. 

Vor- und Nachteile einer BIA

Vorteile: [3]

  • Einfache und schnelle Durchführung
  • Beliebig oft durchführbar, da sie den Körper nicht belastet, ungefährlich und schmerzfrei ist
  • Werte sind gut vergleichbar
  • Ergebnisse sehr aussagekräftig 

Nachteile: [5]

  • Krankheiten des Herzens, der Niere sowie der Schilddrüse müssen bei der Auswertung mitberücksichtigt werden
  • Situationen, die den Wasserhaushalt beeinflussen (Alkohol, starkes Schwitzen, Wassereinlagerungen, reichlich Salzzufuhr) können zu verfälschten Körperfettwerten führen
  • Nicht geeignet für Schwangere 

Zusammengefasst

Die bioelektrische Impedanzanalyse ist eine einfache, schnelle und kostengünstige Technik zur Messung der Körperzusammensetzung. Adipositas-Betroffenen kann sie helfen, den Therapieverlauf zu beobachten und zu überprüfen, auf welchen Ebenen man Gewicht ab- oder zugenommen hat. Zudem kann es als Diagnoseinstrument für gewisse Erkrankungen dienen. 

Quellen

[1] Müller, S.-D. (2011): Die bioelektrische Impedanz Analyse (BIA): Die ernährungsmedizinische Bedeutung der Körperzusammensetzung und die BIA. In:
[2] Khalil, S.F. et al. (2014): The theory and fundamentals of bioimpedance analysis in clinical status monitoring and diagnosis of diseases. Sensors (Basel) 19;14(6):10895-928.
[3] Danneberg, D.J. (2018): Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA) In: https://sportaerztezeitung.com/rubriken/therapie/4842/bioelektrische-impedanzanalyse/
[4] Sekar, S. et al. (2017): Saturated fatty acids induce development of both metabolic syndrome and osteoarthritis in rats. In: Scientific Reports, 7.
[5] Hollstein, G. (2022): Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA). In: https://www.pschyrembel.de/Bioelektrische%20Impedanzanalyse/B0571
[6] https://www.germanjournalsportsmedicine.com/fileadmin/content/archiv2003/heft05/stint_05_03.pdf

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