Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen

Lachen, Toben und den lieben langen Tag Energie versprühen – das sollte der Alltag unserer Jüngsten sein. Doch die heutige Realität macht Kindern und Jugendlichen oft buchstäblich das Leben schwer: eher wenig Bewegung und Qualität in der Ernährung bescheren ihnen zunehmend Gewicht.

Inhalte

Prävalenz: Wie viele Kinder haben Übergewicht?

Von einer „stillen Pandemie“ sprechen die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. und die Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter der Deutschen Adipositas Gesellschaft e.V. [1, 2]. An die zwei Millionen junger Menschen, und damit knapp über 15 % der 3 bis 17 Jährigen, bringen in Deutschland mittlerweile zu viel auf die Waage. 5,9 % sind gar an Adipositas, also schwerem Übergewicht, erkrankt. 

Diese Zahlen liefert die Langzeitstudie KiGGS des Robert-Koch-Instituts [3, 4] und zeigt damit: Der coronabedingte Lockdown, der Kinder und Jugendliche vehement in Bewegung und Sport einschränkte, hat einen Trend, der schon länger existiert, lediglich verstärkt. 

Ursachen von Übergewicht bei Kindern 

Cola, Chips und zu viel Medienkonsum

Bereits seit vielen Jahren machen Medizin und Forschung darauf aufmerksam: Energiereiche Snacks, Softdrinks, Fastfood und viele Stunden vor diversen Bildschirmen sorgen für Gewichtszunahme.

So sind Bewegungsmangel und Essgewohnheiten, neben einer seltenen genetischen Disposition, auch die häufigste Ursache für Übergewicht und Adipositas in dieser Generation. Nicht erst seit Corona steigt der Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen anstelle von Aktivitäten stetig an [5].

Körperliche Fitness spornt die geistige Entwicklung an

Doch eine ausgewogene Ernährung und ausreichende Bewegung spielen für ein gesundes Aufwachsen von Kindern eine große Rolle. Dies gilt gleichermaßen für die körperliche wie geistige Entwicklung. Ein ausgewogenes Essverhalten und ein aktiver Alltag stärken nicht nur das Immunsystem. Beides sorgt auch für Konzentration und Leistungsfähigkeit in der Wachstumsphase. Die Herausforderungen in Schule und Ausbildung lassen sich besser meistern.

Was machen Übergewicht und Adipositas mit Kindern?

Ein erhöhtes Gewicht schränkt auch bei Kindern die Lebensqualität ein und birgt immense gesundheitliche Risiken. Die Zahl jüngerer Patient:innen mit Typ-2-Diabetes und Fettleber steigt. Etwa 50 %, der Kinder oder Jugendlichen mit Adipositas, leiden unter mindestens einer Risikoerkrankung des sogenannten Metabolischen Syndroms.

Dies sind Erkrankungen, die früher erst im Erwachsenenalter auftraten. Die Folgen von Übergewicht sind für Kinder oft lebenslang zu spüren. Wer in jungen Jahren zu viel an Gewicht hat, läuft stärker Gefahr, als Erwachsene:r übergewichtig zu bleiben und damit chronische Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und Gelenkprobleme oder auch Depressionen zu entwickeln. 

Emotionales Essen als fatale Folgen 

Kinder mit einem erhöhten Gewicht machen oft bereits im Kindergarten oder beim Schulsport in der Grundschule ihre ersten Erfahrungen mit Hänseleien. So ausgegrenzt und stigmatisiert zu werden, nagt am Selbstbewusstsein und lässt die Lebensfreude sinken.

Ein fataler Kreislauf entsteht, wenn Kinder und Jugendliche sich dann an das sogenannte emotionale Essen gewöhnen und zu Süßigkeiten greifen, um Frust und Stress zu bewältigen.

Stigmatisierung belastet die Kinderseele 

Übergewicht und Adipositas haben für Kinder und Jugendliche oft seelische und psychosoziale Folgen. Ein Übermaß an Kilos, das ein Junge oder Mädchen mit sich herumträgt, belastet besonders in der Pubertät das Selbstwertgefühl und damit die Seele.

“Nicht schlank oder fit genug” – häufig erfahren Teenager Mobbing und Bodyshaming, aufgrund ihres Übergewichts. Und das mittlerweile nicht mehr nur in ihrer realen Welt, sonder auch über Soziale Netzwerke. Depressionen, sozialer Rückzug und Essstörungen sind häufige Folgen und verschlimmern oft die Situation.

Gibt es Therapieangebote für Kinder mit Übergewicht?

Die Therapie von Adipositas bei Kindern und Jugendlichen sollte stets ärztlich mitbetreut werden, um mögliche Risiken, wie zum Beispiel die Entwicklung von Essstörungen zu verhindern. Daher sollten auch immer Ernährungsfachkräfte, Sporttherapeut:innen und Psycholog:innen Teil des Therapiekonzeptes sein.

Ausreichende Bewegung, die dauerhafte Umstellung der Ernährung und das Training eines gesunden Essverhaltens, auch für die ganze Familie, sind bedeutsam in der Therapie und Vorbeugung von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen.

Die Therapie von Adipositas bei Kindern und Jugendlichen bedeutet daher auch immer, dass das soziale Umfeld, wie die Familie, Familienangehörige und Freund:innen mit einbezogen werden sollten.

Behandlungsziele für Kinder mit Übergewicht

Das Behandlungsziel ist es Folgeerkrankungen zu vermeiden oder reduzieren, die körperliche Fitness aufrechtzuerhalten und das Gewicht langfristig zu reduzieren. Oftmals reicht es in diesem Fall schon aus, wenn Kinder und Jugendliche, welche sich in der Wachstumsphase befinden, ihr Gewicht halten.

Ziel ist es in diesem Fall, nicht weiter an Gewicht zuzunehmen, so dass sich das Körpergewicht mit steigender Körpergröße, dem gesunden Bereich annähert.

Zu den wichtigsten Empfehlungen zählen:

  • ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung, z. B. gemäß der 10 Regeln der DGE
  • achtsames Essen ohne Ablenkung, wie Handy, Laptop Fernseher und Co. 
  • sparsamer Einsatz von Zucker und Süßigkeiten, jedoch keine Verbote
  • energiefreie (zuckerfreie) Getränke statt Softdrinks 
  • so oft wie möglich frisch mit natürlichen Lebensmitteln kochen
  • regelmäßige Mahlzeiten 
  • auf angemessene Portionen achten statt Snacks und stetiges nachnehmen 
  • Steigerung der täglichen körperlichen Aktivität 

Von starren Diäten zum Abnehmen, einseitigen Ernährungsformen oder auch Heilfasten raten Kinder- und Jugendmediziner:innen strikt ab. Denn gerade in dieser Lebensphase bergen sie medizinische Risiken und versprechen keinen langfristigen Effekt. 

Eltern, Kita und Schule können helfen 

Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang. Deshalb sollte die Familie gemeinsam überlegen, welche Aktivitäten die Kinder lieben und wie sie dabei unterstützt werden können. Ein sinnvoller Anfang ist auch, dass der Weg zur Schule zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt wird, statt das Auto zu nehmen. 

Mittlerweile steht zudem in Schule und Kindergarten regelmäßig die altersgerechte Aufklärung über gesunde Ernährung auf dem Programm. Eltern können das, was die Kinder dort erfahren, gemeinsam besprechen und überlegen, was sich nachhaltig in den Alltag einbauen lässt.

Zum Beispiel können sich die Kinder aktiv am Einkaufen und Zubereiten von Mahlzeiten beteiligen. So können die weniger guten Essgewohnheiten abgelegt und gemeinsam neue, sowie gesunde aufgebaut werden.

Abnehmprogramme für Kinder und Jugendliche

Neben der:dem Kinderärzt:in kann deine Krankenkasse dich schnell informieren, welche Leistungen und Services für Kinder mit Übergewicht oder Adipositas bestehen. Oft gibt es spezielle Kochkurse oder eine gezielte Ernährungsberatung für junge Menschen mit erhöhtem Gewicht.

Meist belohnen Krankenkassen auch, wenn ihre kleinen und großen Mitglieder neue sportliche Aktivitäten suchen, um ihre Gesundheit zu erhalten und aktiv Prävention zu betreiben.

BMI Rechner bei Kindern hat andere Referenzwerte

Wenn du dich fragst, ob dein Kind ein erhöhtes Gewicht hat, kann dir das ein spezieller BMI-Rechner für Kinder und Jugendliche schnell beantworten. Ein BMI-Rechner für Erwachsene ist dafür nicht geeignet. Der Body-Mass-Index wird bei jüngeren Menschen nach den Referenzwerten von Kromeyer-Hauschild berechnet. Diese berücksichtigen, dass sich während des Heranwachsens das Verhältnis von Größe zu Gewicht ständig verändert.

Quellen

[1] adipositas-gesellschaft.de
[2] www.dgkj.de
[3] www.kiggs-studie.de
[4] Robert Koch Institut
[5] www.dgkj.de

www.dge.de
www.awmf.org/leitlinien
www.awmf.org
adipositas-gesellschaft.de
www.bundesgesundheitsministerium.de
www.uebergewicht-vorbeugen.de

  • zanadio ist ein digitales Abnehmprogramm mit einem ganzheitlichen Therapieansatz. Entwickelt von Fachkräften mit langjähriger Erfahrung in der Behandlung von Adipositas.

  • Anna Gellert ist Ökotrophologin und zertifizierte Ernährungstherapeutin. Nachdem sie als Ernährungstherapeutin mit dem Schwerpunkt „Essstörungen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsen“ arbeitete, hält sie heute (inter-)national Vorträge und Seminare. Seit 2021 unterstützt sie zanadio im Content Development Team.

Auch interessant:

Gewichtszunahme durch Medikamente

Für die Entstehung von Übergewicht gibt es viele Gründe. Sei es eine genetische Veranlagung, bestimmte Gewohnheit oder auch die Einnahme von manchen Medikamenten, welche die körpereigenen Systeme, wie Hunger und Sättigung, aber auch der Hormonspiegel und der Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht bringen können.

Ärztin misst Blutdruck

Metabolisches Syndrom

Das Metabolische Syndrom – auch als „Tödliches Quartett“ bekannt – ist eine Kombination verschiedener Krankheiten beziehungsweise Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Mit der passenden Ernährung und Bewegung ist es möglich, das Krankheitsrisiko zu senken.

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