Was ist Adipositas?

Adipositas zählt zu den größten Gesundheitsproblemen unserer Zeit. Betroffene entwickeln im Laufe der Zeit zunehmend Folgeerkrankungen. Die etablierte Behandlung von Adipositas fußt auf drei Säulen: Ernährung, Bewegung und Verhaltenstherapie.

Inhaltsverzeichnis

Definition Adipositas

Adipositas bedeutet starkes Übergewicht, das durch einen erhöhten Körperfettanteil begründet ist. Adipositas wird auch als Fettsucht oder Fettleibigkeit bezeichnet. Die Deutsche Adipositas Gesellschaft definiert Adipositas in den S3-Leitlinien (derzeit in Überarbeitung) wie folgt: 

“Adipositas ist definiert als eine über das Normalmaß hinausgehende Vermehrung des Körperfetts.”

Adipös ist, wer einen Body Mass Index (BMI) über 29,9 kg/m2 hat. Bei einem BMI von 25-29,9 kg/m2 handelt es sich bereits um Übergewicht, allerdings wird in diesem Fall von Präadipositas gesprochen, einer Vorstufe von Adipositas.

Der Body Mass Index ist ein Maß, dass es ermöglicht das Körpergewicht in verschiedene Bereiche einzuteilen. Mit ihm kannst du berechnen, ob du Unter- oder Normalgewicht hast, ob du präadipös bist oder von einem anderen Schweregrad der Adipositas betroffen bist.

Adipositas Prävalenz: Wer ist betroffen?

Adipositas ist ein weltweites Problem. Starkes Übergewicht gilt inzwischen als Epidemie, eine Volkskrankheit, dessen Ausmaß immer weiter zunimmt. In Deutschland sind circa 62 % der Männer und 43 % der Frauen* übergewichtig. Von Adipositas ist ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland betroffen. Mit zunehmenden Alter steigt die Anzahl der Krankheitsfälle von Adipositas bei beiden Geschlechtern. [1]

Auch Kinder sind in Deutschland häufig übergewichtig. Laut KiGGS-Studie (Robert Koch-Institut) sind 15,4 % übergewichtig und 5,9 % adipös. Dabei sind Kinder mit einem niedrigen sozioökonomischen Status am stärksten von Übergewicht betroffen. [2]

➚ Hier findest du mehr Informationen zu Übergewicht bei Kindern.

* Die binäre Geschlechterzuteilung ergibt sich aus den erhobenen Daten des RKI.

Individuelle Adipositas-Therapie

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Habe ich Adipositas?

Um das Körpergewicht zu kategorisieren, wird der Körpermassenindex BMI (Body-Mass-Index) verwendet. Adipositas hast du ab einem BMI von 30 kg/m2. Zur Berechnung deines BMI musst du dein Gewicht und deine Körpergröße kennen.

Ob du von Adipositas betroffen bist, kannst du mit Hilfe unseres BMI Rechners oder folgender Formel herausfinden: 

BMI = kg/m2

Körpergewicht (in kg) geteilt durch Größe (in m) zum Quadrat.

Die WHO hat die BMI-Werte in die Kategorien Untergewicht, Normalgewicht, Übergewicht und Adipositas eingeteilt.

BMI-Klassifizierung der WHO:

BMI (kg/m2)Gewichtskategorie
unter 18,5Untergewicht
18,5 bis 24,9Normalgewicht
25 bis 29,9Übergewicht oder Präadipositas
ab 30Adipositas Grad I
ab 35 Adipositas Grad II
ab 40 Adipositas Grad III

Um die Schwere der Fettleibigkeit benennen zu können, ist Adipositas in Grade unterteilt. Je nach Adipositas Grad steigt oder sinkt das Risiko für bestimmte Folge- und Begleiterkrankungen. 

Bist du von starkem Übergewicht betroffen?

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Fettverteilung bei Adipositas: Apfel- und Birnentyp

Bei Menschen mit Adipositas, die dem “Apfeltyp” (androide Adipositas) entsprechen, sammeln sich die Fettzellen vor allem viszeral, im Bauch um die Organe an. Sie sind daher häufiger von Folgeerkrankungen betroffen als Menschen, die dem “Birnentyp” (gynoide Adipositas) entsprechen. Bei ihnen sitzt das Fett subkutan, also gut verteilt unter der Haut.

Grafische Abbildung von Körpern mit Apfelform und Birnenform

Um das Risiko für Folgeerkrankungen durch Adipositas besser beurteilen zu können, wird daher neben dem BMI auch die ➚ Waist-to-hip-Ratio (Taille-Hüft-Quotient) hinzugezogen. Dabei misst man den Taillenumfang in Zentimetern ohne Kleidung im Stehen in Nabelhöhe. Dieser Wert wird geteilt durch den Hüftumfang in Zentimetern. Der Hüftumfang wird an der breitesten Stelle der Hüfte gemessen.

Dadurch gibt die Waist-to-hip-Ratio einen Hinweis darauf, wie viel viszerales Fett sich im Bauchraum sammelt. So ergänzt sie die Aussage des BMI: Bei erhöhtem BMI hat die Bestimmung der Waist-to-Hip-Ratio für die Risikoeinschätzung des Übergewichts besondere Bedeutung.

WHR = Taillenumfang : Hüftumfang

Ursachen: Wie entsteht Adipositas?

Adipositas entsteht durch eine andauernde positive Energiebilanz. In der Regel ist für die positive Energiebilanz eine zu hohe Energieaufnahme durch hochkalorische Lebensmittel und ein gleichzeitig zu geringer Verbrauch durch unzureichende Bewegung verantwortlich. Es gibt jedoch noch weitere Faktoren, die zur Entstehung von Adipositas beitragen können.

Wird dem Körper über einen längeren Zeitraum mehr Energie zugeführt, als er benötigt, speichert er diese in seinen Fettzellen. So entsteht Übergewicht und auf Dauer Adipositas.

Betrachtest du deine Energiebilanz, kommt es nicht auf den einzelnen Tag an. Sinnvoller ist es, du schaust auf Bilanz einer Woche.

Faktoren, die zur Entstehung von Adipositas beitragen können

  • Fehlernährung (energiereiche Ernährung, ungünstiges Essverhalten)
  • Genetische Disposition (u.a. für geringen Grundumsatz und Bauchfett)
  • Bewegungsmangel
  • Stress 
  • Schlafmangel 
  • depressive Erkrankungen
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Binge-Eating-Störung
  • Medikamente (z. B. Psychopharmaka, Betablocker, Antidiabetika und Antiepileptika)

➚ Lies hier den ganzen Artikel über die Ursachen von Adipositas.

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Adipositas als Krankheit

Adipositas gehört zu den chronischen Erkrankungen und ist in der internationalen statistischen Klassifikation von Krankheiten (ICD-10-WHO) als “E66.-” gelistet. Das heißt, Adipositas ist eine Krankheit, dessen Behandlung von den Krankenkassen bezahlt wird.

Fettverteilung: Warum bei Adipositas entscheidend?

Der BMI wird zur offiziellen Klassifikation des Gewichts nach ICD-10 verwendet. Für eine bessere Einschätzung des Gesundheitsrisikos gibt es weitere Faktoren, die zu berücksichtigen sind. Faktoren wie Geschlecht, Muskel- und Fettmasse, die in der BMI-Formel vernachlässigt werden, beeinflussen das Krankheitsrisiko stark.

➚ Lies mehr dazu, weswegen der BMI häufig nicht ausreicht für die Diagnose Adipositas.

Bauchfett erhöht Krankheitsrisiko

Nicht nur der Körperfettanteil, sondern auch die individuelle Fettverteilung beeinflusst das Krankheitsrisiko maßgeblich. Lagert sich das Fett vermehrt im Bauchraum an, ist das Risiko für kardiovaskuläre und metabolische Erkrankungen deutlich höher.

Der Grund dafür: Das sogenannte viszerale Fett, das sich um die Bauchorgane sammelt, ist kein passives Gewebe, sondern vielmehr ein Organ mit aktivem Stoffwechsel. Es produziert entzündungsfördernde Stoffe und Hormone, die Störungen im Stoffwechsel verursachen und das Risiko für eine Reihe von Krankheiten erhöhen. Subkutanes Fett, das direkt unter der Haut an Beinen, Po und Hüften sitzt, hat diese Eigenschaften nicht und ist damit weniger gesundheitsschädlich.

➚ Hier findest du weitere Informationen zum Bauchfett.

Folgen von starkem Übergwicht

Je höher das Gewicht, desto stärker spüren Menschen mit Adipositas die Auswirkungen. Viele leiden nicht nur körperlich, sondern auch psychisch unter den Folgen.

Direkt spürbare Folgen von Adipositas sind:

  • Verminderte Leistungsfähigkeit
  • Eingeschränkte Beweglichkeit
  • Schnelles Ermüden und Kurzatmigkeit
  • Starkes Schwitzen (Hyperhidrosis)
  • Reflux (Sodbrennen)

Psychische Aspekte
Adipositas kann nicht nur körperliche, sondern auch psychische Folgen haben. Betroffene leiden häufig unter Selbstzweifeln, Scham und Depressionen. Diese psychischen Folgen können sich auf das gesamte Leben der Betroffenen auswirken. Sie können die Lebensqualität beeinträchtigen, die Arbeitsfähigkeit einschränken und das Risiko für soziale Isolation erhöhen.

Soziale Aspekte
Adipositas ist ein komplexes Problem, das auch durch soziale Faktoren beeinflusst wird. So haben Menschen mit Adipositas beispielsweise oft schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt oder im sozialen Leben. Dies liegt daran, dass Adipositas häufig mit negativen Stereotypen und Vorurteilen verbunden ist. Betroffene werden oft als faul, disziplinlos oder ungesund wahrgenommen.

Folge- und Begleiterkrankungen von Adipositas

Zu den direkt spürbaren Symptomen kommen, je nachdem wie lange das Gewicht besteht, auch Folgeerkrankungen hinzu. Die gute Nachricht: Mit einer Gewichtsabnahme verbessern sich viele dieser Erkrankungen – manche verschwinden sogar vollständig.

  • Gelenkverschleiß (Arthrose)
  • Fettstoffwechselstörungen u.a. erhöhte Blutfettwerte 
  • Gefäßverkalkung (Arteriosklerose)
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen u.a. koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, Bluthochdruck (Hypertonie), Herzinfarkt
  • Nicht alkoholische Fettleber
  • Gicht (Hyperurikämie)
  • Insulinresistenz und Diabetes Typ 2

➚ Hier erfährst du mehr über die Folgeerkrankungen von Adipositas.

Abnehmen mit Adipositas

Das Ziel der Adipositas Behandlung ist eine dauerhafte Reduzierung des Gewichts beziehungsweise des Körperfetts. Diese bringt den Stoffwechsel wieder ins Lot und wirkt sich zudem positiv auf entstandenen Folgeerkrankungen aus. Die Therapie erfolgt in zwei Phasen: 

  1. Gewichtsreduktion 
  2. Gewichtsstabilisation 

Diäten, die eine kurzfristige Gewichtsabnahme bewirken, sind in der Regel nicht erfolgreich. Die Restriktionen, die zum Gewichtsverlust führen, können meist nur über einen kurzen Zeitraum eingehalten werden und führen somit keine nachhaltigen Verhaltensänderungen herbei.

Ganzheitliche Adipositas-Therapie

Um das Gewicht nachhaltig zu reduzieren, sind Veränderungen des Lebensstils notwendig. Neben einer professionellen Ernährungstherapie, sind Bewegungs- und Verhaltenstherapie die entscheidenden Komponenten der Behandlung. zanadio unterstützt mit einer App für Adipositas-Patient:innen, die auf der etablierten, konservativen Adipositas-Therapie basiert, effektiv und nachhaltig Gewicht zu verlieren.

Ernährungstherapie bei Adipositas

Das Ziel der Ernährungstherapie ist eine individuell passende, gesunde Ernährungsumstellung. Betroffene lernen nicht nur, wie sie gesunde Mahlzeiten zusammenstellen, sondern auch, wie sie ihr Essverhalten positiv verändern können. Das heißt, es geht nicht nur darum, was sie essen, sondern auch wie sie essen, wann und warum.

Verhaltenstherapie bei Adipositas

Besonders beim letzten Punkt setzt die Verhaltenstherapie an. Hier erlernen Menschen mit Adipositas Strategien, um mit dem Drang nach Essen in emotionalen Situationen umzugehen. Sie lernen Handlungsalternativen kennen und erhalten Unterstützung, um ihre Ziele zu erreichen.

Bewegungstherapie bei Adipositas

Das Bewegungsverhalten ist bei der Behandlung von Adipositas beinahe genauso wichtig, wie das Essverhalten. Je mehr man sich bewegt, desto höher ist der Energieverbrauch. Regelmäßige Bewegung trägt dazu bei, das verlorene Gewicht dauerhaft zu halten.

Für Menschen mit Adipositas sind zunächst gelenkschonende Bewegungen und Sportarten wie Radfahren, Nordic Walking und Schwimmen empfehlenswert. Moderates Krafttraining hilft, die Muskelmasse bei der Gewichtsabnahme zu erhalten beziehungsweise zu fördern.

Quellen

[1] Journal of Health Monitoring, RKI
[2] KiGGS-Studie, RKI
[3] DGE Beratungsstandards 1. Auflage 2020

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