Biliopankreatische Diversion: Voraussetzungen, Ablauf und Chancen 

Die biliopankreatische Diversion (BPD) zählt zu den gewichtsreduzierenden Eingriffen. Die Operation ist verhältnismäßig komplex, jedoch wirkungsvoll bei schwerem Übergewicht. Dennoch gibt es Nachteile. Hier liest du alles zu Voraussetzungen, Ablauf, Risiken und Chancen einer BPD.

Inhaltsverzeichnis

Definition: Was ist eine biliopankreatische Diversion?

Generell bietet die Adipositaschirurgie (auch bariatrische Chirurgie genannt) verschiedene Verfahren, um Menschen mit Adipositas mittels medizinischem Eingriff zu helfen. Dazu gehört unter anderem die sogenannte biliopankreatische Diversion (BPD). Hinter der Bezeichnung biliopankreatische Diversion verbergen sich gleich mehrere Begriffe: „biliopankreatisch“ lässt sich aus dem Lateinischen von „bilis“ (dt.: Galle) und „pankreas“ (dt.: Bauchspeicheldrüse) ableiten. Beide Organe spielen eine wichtige Rolle bei der BPD. 

Individuelle Adipositas-Therapie

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Maßgebend für die biliopankreatische Diversion sind folgende zwei Schritte [1]: 

  1. Restriktion: Während des Eingriffs wird der Magen verkleinert. Ziel ist es, dass dein Sättigungsgefühl durch die Magenverkleinerung schneller einsetzt. 
  1. Malabsorption: Die Verdauung wird insgesamt erschwert. Dies passiert weil sich die aus der Galle und Bauchspeicheldrüse stammenden Verdauungssäfte nicht – wie sonst üblich – mit dem Speisebrei vermischen, sondern erst später im unteren Teil des Dünndarms hinzukommen. So werden nicht alle Nährstoffe vom Körper aufgenommen und werden unverdaut wieder ausgeschieden – dadurch nimmst du weniger Kalorien auf. 

Biliopankreatische Diversion

Möglicher Gewichtsverlust
Je nach OP-Verfahren ist ein Verlust des Übergewichts von 56–73 % innerhalb von zwei Jahren nach der OP möglich [2,3]. Als Übergewicht ist alles ab dem Idealgewicht (BMI 25 kg/m²) definiert.

Risiken
Wie bei allen chirurgischen Eingriffen sind auch bei der BPD Komplikationen möglich. Eine BDP ist ein verhältnismäßig komplexer Eingriff. Nach der OP ist eine lebenslange Nachsorge und die Einnahme von speziellen Nährstoffpräparaten notwendig.

Für wen das Verfahren nicht geeignet ist
Wenn Menschen mit Adipositas unter einer Essstörung leiden, kann eine biliopankreatische Diversion ausgeschlossen werden, sofern die Störung bisher nicht behandelt werden konnte. Auch ist es möglich, dass Menschen, die eine psychische Erkrankung haben, nicht operiert werden. Zudem können Patient:innen ausgeschlossen werden, wenn Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt vorliegen. Diese könnten z. B. den Eingriff erschweren, Komplikationen verstärken oder negative gesundheitliche Folgen durch die OP hervorrufen.

Voraussetzungen für eine biliopankreatische Diversion 

Wer es zuvor im Rahmen des MMK bei Adipositas mit Ernährungs-, Verhaltens- und Bewegungstherapie versucht hat und erfolglos blieb, erfüllt eine wichtige Voraussetzung für die biliopankreatische Diversion. Grundsätzlich ist ein bariatrischer Eingriff erst sinnvoll, wenn andere Methoden und Wege nicht geholfen haben. Für Patient:innen ab einem BMI von ≥ 40 kg/m² ohne Begleiterkrankungen ist eine Operation (OP) möglich, wenn keine Kontraindikationen bestehen [2]. Ab einem BMI von 35 kg/m² kommt eine OP infrage, wenn eine oder mehrere Adipositas-assoziierte Begleiterkrankungen vorliegen [2]. Das können z. B. Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder eine koronare Herzerkrankung (KHK) sein.

Ab einem BMI von ≥ 50 kg/m kann unter Umständen ein Eingriff möglich sein, ohne dass zuvor Ernährungs-, Verhaltens- und Bewegungstherapie stattgefunden haben [2].

➚ Hier liest du mehr über die Voraussetzungen für einen bariatrischen Eingriff.

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Welche Risiken und Nachteile hat eine BPD? 

Eine biliopankreatische Diversion geht mit einigen Operationsrisiken und Nachteilen einher, nicht immer müssen diese auftreten. Die behandelnden Chirurg:innen werden dich darüber aufklären. In einigen Fällen kann es beispielsweise zu folgenden Komplikationen kommen [2]: 

  • Problemen mit der Wundheilung
  • undichten Stellen im operierten Bereich von Magen und Darm 
  • Blutergüssen 
  • Blutgerinnsel, die zu einer Lungenembolie führen 
  • In den ersten Monaten nach der OP: Dumping-Syndrom, Durchfall, unangenehme Blähungen und Gase

Die Gesamtkomplikationsrate bei BPD beträgt bis zu 25 % [2]. 

Nach der OP kann es zu verschiedenen Mangelzuständen kommen, vor allem bei den fettlöslichen Vitaminen A, E und D [2]. Kritisch ist auch die Versorgung mit den Mineralstoffen Eisen und Zink. Doch nicht nur Vitalstoffe sind von der schlechteren Resorption nach der OP betroffen, das Gleiche gilt ebenfalls für Medikamente. Durch den nun verkürzten Verdauungsweg wird alles, was über den Mund zugeführt wird, nicht mehr vollständig aufgenommen.

Nahrungsbestandteile wie Proteine, Kohlenhydrate, Fette, Vitamine und Mineralstoffe sowie Medikamente werden nur noch zu einem gewissen Grad verwertet, anteilig unverdaut und ungenutzt aus dem Körper ausgeschieden. Gleichwohl dies dem Sinn der OP entspricht, bringt es zugleich auch Nachteile mit sich. Eine ärztliche Kontrolle und lebenslange Überwachung nach der OP ist unerlässlich. Außerdem ist die lebenslange Aufnahme von speziellen Nährstoffpräparaten notwendig [2].

Ablauf: Wie wird eine biliopankreatische Diversion durchgeführt?

1. Vorbereitung des Eingriffs 

Bevor die BPD durchgeführt wird, werden einige Tests gemacht. So stellen die behandelnden Ärzt:innen sicher, dass Patient:innen operiert werden dürfen, ohne sich aufgrund von körperlichen oder gesundheitlichen Gegebenheiten eines zu großen Risikos auszusetzen. Zu den gängigen Untersuchungen gehören unter anderem [2]: 

  • Untersuchungen des Bauch- und Magenbereichs 
  • Atemfunktionstests
  • Blutbefunde 
  • kardiologische Untersuchungen 

2. Durchführung der Operation 

Die OP der biliopankreatischen Diversion erfolgt in Vollnarkose. Mit der Hilfe von modernen Operationstechniken (Laparoskopie) werden idealerweise nur einige kleine Schnitte im Bauchbereich gesetzt, sodass Patient:innen keiner größeren Komplikation ausgesetzt sind [2]. Damit der Magen verkleinert werden kann, wird ein größerer Teil chirurgisch abgetrennt. Nun hast du einen sogenannten Magenpouch – einen kleinen „Restmagen“ (siehe Abbildung). 

Jetzt ist der Dünndarm an der Reihe: Dieser wird geteilt und somit in verkürzter Form direkt mit dem Magenpouch verbunden [2]. Neben der BPD gibt es noch eine zweite Variante, die als BPD mit Duodenal Switch bezeichnet wird. Der Unterschied liegt im Bereich des Magens, bei der zweiten Methode wird ein Schlauchmagen erstellt, während die reine BPD auf den Magenpouch setzt [2]. Der Vorteil des Schlauchmagens besteht vor allem darin, dass Patient:innen weniger oft unter plötzlichen Sturzentleerungen (Dumping-Syndrom) leiden. Beide Verfahren führen zum Ergebnis, dass das Gewicht nach dem Eingriff oft erheblich reduziert werden kann [2,3].

3. Nach dem Eingriff 

Üblicherweise wirst du nach der OP etwa 10 Tage im Krankenhaus bleiben, um beobachtet zu werden [2]. Der Aufenthalt kann sich bei Komplikationen im Rahmen des Eingriffs oder nach der OP verlängern. Plane deshalb genügend Zeit für die Regeneration, um dich vollständig erholen zu können. 

Wie hoch ist der Gewichtsverlust nach dem Eingriff?

Grundsätzlich wird die BPD als besonders wirkungsvoll beschrieben. Im Zeitraum von zwei Jahren nach der OP ist der Verlust des Übergewichts bis zu 73 % möglich [3]. Patient:innen mit Diabetes mellitus erleben in 89 % der Fälle eine starke Verbesserung des Krankheitsbildes [2]. 

Bei der zweiten OP-Methode, BPD mit Duodenal Switch, wird von einem Verlust an Übergewicht von 56 % ausgegangen, bei dieser OP erleben Patient:innen mit Diabetes mellitus in 100 % der Fälle eine starke Verbesserung des Krankheitsbildes innerhalb von zwei Jahren [2].

Berechnung des Gewichtsverlusts

Beim Verlust an Übergewicht wird berechnet, wie viel % des Übergewichts im Vergleich zum Gewicht vor der OP verloren geht. Übergewicht ist alles ab dem Idealgewicht (BMI 25 kg/m²).

Nach der Operation: Darauf musst du achten 

Nachdem eine biliopankreatische Diversion durchgeführt wurde, ist es wichtig, dass du alle Nachsorgetermine wahrnimmst [2]. Die Nachsorge nach Eingriffen dieser Art erfolgt regelmäßig und lebenslang. Zunächst stehen Termine nach einem, drei, sechs, 12, 18, 24 Monaten und dann jährlich an. Mithilfe von Blutuntersuchungen können Mangelerscheinungen rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Wie bereits erwähnt, ist die Einnahme von speziellen Nährstoffpräparaten notwendig, lebenslang [2].

Ernährung nach einer biliopankreatischen Diversion 

Nach einer bariatrischen Operation ist nicht nur eine Ernährungsumstellung besonders wichtig, sondern auch die regelmäßige Vorstellung bei einer Ernährungsfachkraft [2]. Die Ernährungsweise nach der OP ist eine Art Kostaufbau, von flüssiger über breiige bis feste Konsistenz. Die Auswahl und Zubereitung der Lebensmittel geht los bei leicht bekömmlich/leicht verdaulich/eher fettarm bis hin zu einer normalen Kost. Weitere hilfreiche Informationen findest du im Artikel Ernährung nach einer Magen-OP.

Kann man die biliopankreatische Diversion rückgängig machen?

Nein, die Operation ist nicht reversibel [2]. Das bedeutet, dass Chirurg:innen den ursprünglichen Zustand im Magenbereich nach einem Eingriff nicht wiederherstellen können. Überlege dir deshalb gut, ob eine komplexe bariatrische Operation wie die biliopankreatische Diversion eine sinnvolle Option für dich ist. Eine professionelle Beratung hilft dir dabei, die persönlichen Chancen und Risiken abzuwägen. Hole dir auch Rat von Menschen, die die OP bereits hinter sich haben. Sei bei deinen Überlegungen stets kritisch und wäge verschiedene kurz- und langfristige Aspekte ab.

Kosten der OP: Antrag und Kostenübernahme 

Die Kosten für eine bariatrische Operation können von deiner Krankenkasse übernommen werden. Die Kriterien zur Kostenübernahme sind an die Voraussetzungen geknüpft, die im Abschnitt “Voraussetzungen für eine biliopankreatische Diversion” beschrieben sind.

Einen Antrag stellst du direkt bei deiner Krankenkasse, welche dir die entsprechenden Unterlagen zusendet. Hierfür ist es unter anderem wichtig, dass du die Versuche deiner Gewichtsreduktion nachweisen kannst (Sport, Ernährungs- und Verhaltenstherapie). Bis zur Entscheidung vergehen oft mehrere Wochen. Sofern du alle Kriterien erfüllst und den Antrag gut begründest, kannst du grundsätzlich mit einer Kostenübernahme rechnen. Kommt es zu einer Absage, kann ein Widerspruch helfen. 

Zusammengefasst

Eine biliopankreatische Diversion kann vor allem bei schweren Formen von Adipositas hilfreich sein. Der Eingriff birgt Risiken und bringt lebenslange Konsequenzen, jedoch auch Chancen mit sich. Das Leben von Betroffenen wird in vielerlei Hinsicht verändert, daher muss die OP abgewogen werden und gut überlegt sein. 

Quellen

[1] Meyer, G., Schuhmann, P., Peters, J., & Karcz, W. K. (2011). [Malnutrition after biliopancreatic diversion—Postoperative management and complications]. Obesity facts, 4 Suppl 1(Suppl 1), 34–38. https://doi.org/10.1159/000327074

[2] Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie e.V. (DGAV) (Hrsg.). (2018). S3-Leitlinie: Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/088-001

[3] Buchwald, H., Estok, R., Fahrbach, K., Banel, D., Jensen, M. D., Pories, W. J., Bantle, J. P., & Sledge, I. (2009). Weight and type 2 diabetes after bariatric surgery: Systematic review and meta-analysis. The American Journal of Medicine, 122(3), 248-256.e5. https://doi.org/10.1016/j.amjmed.2008.09.041

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